Vanuatu - Tanna
Nach Aneityum segelten wir weiter zu der circa 50 Seemeilen entfernten Insel Tanna. Schon aus weiter Entfernung konnten wir die Hauptattraktion der Insel ausmachen. Den aktiven Vulkan Yasur. In regelmäßigen Abständen stiegen große Rauchschwaden aus seinem Kegel. Neben der Hauptinsel Efate, auf der sich die Hauptstadt Port Vila befindet, soll Tanna einer der touristischsten Inseln des Landes sein. Nicht zuletzt deshalb, weil sich auf ihr dieser noch aktive Vulkan befindet, in den man vom Kraterrand hineinsehen kann. Zuerst ließen wir aber unseren Anker in der Bay Resolution fallen. Das ist jene Bucht auf Tanna, in der Kapitän Cook 1774 ebenfalls seinen Anker fallen ließ und sie nach dem Namen seines Schiffes benannte.
Der Ankerplatz in Port Resolution und im Hintergrund pustet der Vulkan Yasur.
Wir hatten mit deutlichen Zeichen von Tourismus gerechnet. Laut unserer Literatur sollte sich in dieser Bucht ein Yachtclub, ein Dingianleger und ein Dorf mit einem Markt und einigen Restaurants befinden. Aber wir wurden positiv überrascht. Es waren aber auch gar keine Zeichen von Tourismus auszumachen. Wir segelten in die Bucht hinein und fanden, dass diese Bucht vor über 200 Jahren nicht hätte anders ausgesehen haben können. Überall dichter Urwald, an den steinigen Ufern stieg Wasserdampf aus den heißen Wasserquellen empor, im Hintergrund grollte der Vulkan und ein, zwei Hütten zeigten sich verstohlen aus dem Dickicht. In Port Resolution schien die Zeit stehen geblieben zu sein.
An Land entdeckten wir dann das kleine Dorf Ireupuow. Wir lernten den Dorfältesten, seinen Sohn Stanlay und seine Tochter Miriam kennen.
Miriam und ihr Sohn. Sie ist Lehrerin im Dorf. Sie erzählte uns, dass es allein auf Tanna 15 verschiedene Sprachen gäbe. Bislama sei die offizielle Amtssprache und in der Schule würden die Kinder noch in Englisch und in Französisch unterrichtet werden.
Die meisten der Hütten waren aus Bambus und Palmenblättern gefertigt. Das Dort sah erstaunlich gepflegt aus.
Sie hielten die Geschicke des Dorfes in der Hand. Begleitet wurden sie dabei von der ungefähr 60jährigen Sandra, die wir ebenfalls kennenlernten. Sie ist US-Amerikanerin und arbeitet für das Peacecorps, also als eine Art Entwicklungshelferin. Alle drei erzählten uns über die Probleme im Dorf, die neuen Projekten und ihrem Leben in Port Resolution. Wir hörten viel von Gewalt in den Familien, das nicht allen Kindern genügend Geld  für die Schulausbildung zur Verfügung steht ( normalerweise gehen hier die Kinder 6 Jahre zur Schule) und dass demnächst mit Hilfe von Spenden, auch von der EU, eine Windmühle zur Stromerzeugung im Dorf gebaut werden soll.
Strom gab es nur wenig, denn das Benzin für den Generator ist sehr teuer.
Wie schon auf Aneityum waren es die Kinder, die unbedarft auf uns zugingen.
Ein kleines Museum über das Leben im Dorf, die Sitten und Gebräuche der Insel gab es hier auch.

Sandra berichtete zudem, dass es auch für sie, die seit über einem Jahr mit in der Dorfgemeinde lebt und beratend und helfend bei Streitigkeiten oder anderen Problematiken den Dorfeinwohnern zur Seite steht, sehr schwer ist, einen Einblick in diese Kultur zu bekommen und auch sie nicht vor Angriffen der Männer verschont geblieben ist. Es war für uns sehr interessant und spannend, all dies zu hören und zu sehen , auch wenn wir nur einen sehr kleinen Einblick in ihre Welt bekamen. 

Das gab es einiges zu staunen, wie die menschen auf dieser Insel vor langer Zeit lebten...
Hier ist ein Bild das zeigt, wie sie vor einigen Jahren noch ihre Schweine umbrachten. Unter dem Bild ist eine original Keule zu sehen. Ein anderes Bild im Museum zeigt eine ähnliche Situation, nur mit dem Unterschied, dass nicht ein Schwein an Händen und Füßen zusammengebunden an einem Holzstock hin und erschlagen wurde, sondern ein Mensch.....
Stanlay und Miriam erzählten uns natürlich auch, dass es in ihrem Dorf Möglichkeiten gibt, in einem ihrer zwei kleinen Familien-Restaurants die einheimischen Köstlichkeiten zu probieren. Und dieses Angebot ließen wir uns nicht zweimal sagen. Zusammen mit derYAGOONA und der LUDUS AMORIS aßen wir später in einer kleinen Bambushütte am Strand unser erstes vanuatisches Gericht. Es gab Maniok, Yams und Taro, übergossen mit Kokosmilch und Reis, dazu gab es sehr gut gewürztes Hühnerfleisch und als Beilage wurden Christorphine, das ist eine Art Kohlrabi, und eine Art Bohnen gereicht. Es war vorzüglich.
Als nächstes stand bei uns ganz oben auf der Liste der Besuch auf dem Vulkan. Und so etwas hatten wir noch nie erlebt. Wir schauten in den Krater eines wirklich aktiven Vulkans. Aber von vorne. Stanlay organisierte natürlich auch die Tour auf den Yasur. Der Berg ist 361m hoch und gehört zu der Art von Vulkanen, die regelmäßig durch Explosionen Aschewolken, Schlacke und Gas nach außen stoßen. Er hat einen schön geformten Kegel. Man nennt diesen Vulkantyp auch Schicht- und Stratovulkan. Sein Kegel setzt sich aus wechsellagernden Schichten von Lava, Asche oder Schlacke  zusammen.
Allein die Fahrt dorthin war schon ein Erlebnis. Straßen gibt es keine auf Tanna, nur Waldwege, und diese sind mit riesigen tiefen Schlaglöchern gepflastert, die bei jedem Regenguss noch mehr ausgewaschen werden. Der einzige Wagen des Dorfes preschte mit uns durch den Urwald. Und so kamen wir nach einer dreiviertel Stunde rasanter Fahrt durch die Botanik und kräftigen Durchschüttelns am Fuße des Vulkans an.
Klaus von der LUDUS AMORIS

Die Besichtigungen von diesem Vulkan werden von einem "Vulkankomitee" verwaltet. Das bedeutete, dass wir pro Person 2500 Vatus, das sind umgerechnet 18 Euro, an das " Vulkankomitee" zu zahlen hatten. Stanlay bekam noch weitere 1000 Vatus, also 8 Euro, für den Transfer. Dann stand dem Ereignis nichts mehr im Wege und wir kletterten hoch zum Kraterrand.

Auf dem Weg zum Kraterrand.
Rings um den Vulkankegel lagen überall Gesteinsbrocken unterschiedlichster Größen verstreut. Vor ein paar Jahren war hier ein Japanischer Tourist ums Leben gekommen. Er ist von einem dieser umherfliegenden Brocken erschlagen worden. Stanlay berichtete uns auch, dass es an manchen Tagen nicht möglich sei, den Vulcan zu besteigen. Zu viele umherfliegende, glühende Steine würden das dann verhindern. Aber wir hatten Glück. Die Steine kamen nicht weiter als bis zum inneren Kraterrand.
Oben angekommen, der Blick in den Krater.
Gegen 17.30 Uhr standen wir am Kraterrand an und die Sonne war gerade dabei unterzugehen. Der Blick in das Innere war überwältigend. Mit uns blickten noch die YAGOONA, die LUDUS AMORIS und eine Touristengruppe aus Lenakel, dem Hauptdorf auf der anderen Inselseite, in das Innere des Yasur
Die glühenden Gesteinsbrocken sahen jetzt noch beeindruckender aus.
Und dann wurde es langsam dunkel.
Wir blieben fast zwei Stunden auf dem Vulkan und um uns herum wurde es stockdunkel. Ein Feuerwerk zum Jahreswechsel könnte nicht schöner sein. Die "Pyrotechniker" gaben sich jetzt die allergrößte Mühe.
Nach vier Tagen segelten wir mit guten Winden weiter. Unser nächstes Ziel war nun Efate. Dort befindet sich auch die Hauptstadt Vanuatus, Port Vila.
Ein letzter Blick zurück auf den qualmenden Yasur.
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